Welse für Videos gequält: PETA zeigt Youtuber aus der Neckar-Region wegen Catch and Release an
- Andreas Schink

- vor 2 Stunden
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Eberbach am Neckar / Stuttgart, 12. März 2026 – PETA erhielt Hinweise, dass auf dem YouTube-Kanal „Stefan Seuß“ Videos veröffentlicht werden, die Catch and Release zeigen. Dabei handelt es sich um das geplante Fangen und Zurücksetzen von Fischen. In zahlreichen Videos ist zu sehen, wie der Kanalbetreiber Welse oder andere Fische fängt und viele von ihnen in die Kamera hält oder ihre Körpergröße misst. Dabei sind die Tiere außerhalb des Wassers, wo sie nicht atmen können. Catch and Release verursacht bei den schmerzempfindlichen Wirbeltieren massives Leid und ist in Deutschland nach Paragraf 17 Nr. 2 b des Tierschutzgesetzes strafbar. Die Tierrechtsorganisation erstattete daher am 6. März Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg gegen den Angler.„Es ist grausam, Tiere Stress, Schmerzen und Sauerstoffmangel auszusetzen, nur um sie als Trophäe zu präsentieren. Fische sind kein Spielzeug und keine Requisiten für Likes, sondern sensible Lebewesen“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Wassertiere bei PETA. „Beim Catch and Release erleiden sie Todesangst und Verletzungen durch Angelhaken, Kescher und gewaltsamen Umgang.“Einem Wirbeltier dürfen nicht länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt werden. Außerdem untersagt Paragraf 1, Tieren ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen – beim Catch and Release ist ein solcher offenkundig nicht gegeben.
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Hintergrundinformationen: |
Catch and Release bereits mehrfach strafrechtlich geahndetIn Verfügungen des Amtsgerichts Lemgo vom 31. März 2011 (Az.: 25 Cs-22-Js 86/10-194/10) wird ausdrücklich festgestellt, dass es sich beim Catch and Release um eine strafbare Handlung handelt. Zudem führte das Oberverwaltungsgericht Münster am 3. Juli 2015 (Az.: 20 B 209/15) aus, dass beim Ausüben der Catch-and-Release-Praxis kein vernünftiger Grund bestehe, den Tieren Schmerz und Leid zuzufügen, und somit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen werde. Im Dezember 2024 wurde ein Catch-and-Release-Angler zu einer Geldbuße von 200 Euro verurteilt. Bereits 2016 zahlte Ex-Fußballprofi Klaus Augenthaler in einem vergleichbaren Fall mehr als 3.000 Euro Geldbuße.Fische leiden Qualen, auch wenn sie zurückgesetzt werdenDie britische Biologin Lynne Sneddon wies nach, dass Fische im Kopf- und Mundbereich zahlreiche Schmerzrezeptoren haben – also genau dort, wo der Angelhaken das Gewebe durchbohrt [1]. Die Tiere zeigen zudem ein deutlich erkennbares Schmerzverhalten, wenn man ihren Mund verletzt: Sie bewegen sich ruckartig, reiben die verwundete Stelle am Beckenrand, stellen die Nahrungsaufnahme ein und ihre Atemfrequenz erhöht sich. Gibt man ihnen Schmerzmittel, stellen sie dieses Verhalten wieder ein [2]. Außerdem können Fische lernen, sich selbst Schmerzmittel zu verabreichen [3]. Auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, kommt in seiner Stellungnahme für die deutsche Bundesregierung zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten“ [4].PETA spricht sich ebenso gegen das Angeln und den Fischfang für den Verzehr aus und unterstützt seit 2017 die Weltkampagne zur Abschaffung der Fischerei.PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.
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[1] Sneddon, L. U., Braithwaite, V. A., & Gentle, M. J. (2003): Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 270(1520), 1115–1121. Online abrufbar unter: http://doi.org/10.1098/rspb.2003.2349. (23.09.2025).[2] Sneddon, L. U. (2003): The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153-162. DOI: 10.1016/S0168-1591(03)00113-8.[3] Sneddon, L. U. (2011): Pain perception in fish: Evidence and implications for the use of fish. Journal of Consciousness Studies, 18(9-10), 209-229.[4] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.
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Weitere Informationen:PETA.de/Themen/FischePETA.de/Fische-Schmerz-Neocortex |
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