top of page

LKA-BW: Mannheim 51-jähriger Ex-Lebensgefährte bewahrt scharfe Waffe in einem Schuppen auf

22.08.2023 – 09:30

LKA-BW: Das Entschärfen von Handgranaten gehört zu ihrer Tagesordnung: Entschärfungskräfte des Landeskriminalamts Baden-Württemberg im Dauereinsatz




Stuttgart (ots)

Mannheim, der 12. August 2023. Eine Frau ruft bei der Polizei an und berichtet, dass ihr 51-jähriger Ex-Lebensgefährte in einem Schuppen eine scharfe Waffe für einen 41-jährigen Bekannten aufbewahrt. Kräfte des Polizeipräsidiums Mannheim fahren umgehend zur Wohnung des 51-Jährigen und durchsuchen die Wohnung und den Schuppen. Hierbei stellen die Beamtinnen und Beamten eine erlaubnispflichtige Schusswaffe, scharfe Munition unterschiedlicher Kaliber, einen Transportbehälter für Handgranaten und zwei Pistolenkoffer sicher. Sie alarmieren den Entschärfungsdienst des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg (LKA BW). Dieser stellt fest, dass es sich bei der Handgranate in dem Transportbehälter um eine scharfe Kriegswaffe handelt, die in Ex-Jugoslawien hergestellt wurde. Die Expertinnen und Experten entschärfen die Handgranate. Umgehend werden der 41-Jährige und 51-Jährige aufgrund der Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz festgenommen. In der Wohnung des 41-Jährigen stellen Kräfte des Polizeipräsidiums Mannheim zudem wesentliche Waffenteile eines Sturmgewehres vom Typ AK 47 und Munition sicher. Die Staatsanwaltschaft Mannheim und das Polizeipräsidium Mannheim führen die Ermittlungen.

Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie anspruchsvoll der Alltag des Entschärfungsdienstes des LKA BW ist. Zudem unterstreicht dieser Einsatz, dass Kriminelle nicht nur über herkömmliche illegale Schusswaffen, sondern oftmals auch über Kriegswaffen und Sprengmittel verfügen. Allein im Jahr 2021 war der Entschärfungsdienst des LKA BW insgesamt 340 Mal landesweit im Einsatz. Hierbei entschärften die Expertinnen und Experten unter anderem sieben voll funktionsfähige Handgranaten und 25 Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen, sogenannte USBV. Im Jahr 2022 waren es sogar 420 Einsätze. Die Expertinnen und Experten des LKA BW entschärften hierbei zehn Handgranaten und 20 USBV.

"Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden im In- und Ausland belegen, dass oftmals auch konventionell hergestellte militärische Kriegswaffen mit Explosivstoffen wie Handgranaten, Mörsergranaten oder Minen durch Straftäter verändert werden, dass sie als USBV dienen", sagt Stefan Knapp, stellvertretender Leiter des Kriminaltechnischen Instituts. "Die Bewältigung derartiger Einsatzlagen erfordert umfangreiche Spezialkenntnisse, langjährige Erfahrung, hoch modernes Equipment sowie Nervenstärke und gehört mit zu den gefährlichsten Aufgaben in der Polizei", so Knapp.

Im konkreten Fall vom 12. August handelte es sich um eine bezünderte und wurffertige jugoslawische M50 Handgranate. Diese befand sich in einer grünen Schraubdose, einem sogenannten Handgranatentransportbehälter, mit kyrillischer Aufschrift. Dieses Modell einer Handgranate enthält rund 100 Gramm Trinitrotoluol (TNT) und gilt als eine der explosivsten Handgranaten weltweit. Um so eine Handgranate manuell zu entschärfen, müssen die Kräfte des Entschärfungsdienstes des LKA BW mit ihrer Hightech-Ausrüstung anrücken. Nur so können sie sichergehen, dass sich in der Schraubdose keine als Sprengfalle manipulierte Handgranate befindet, die beim Öffnen des Deckels sofort zündet.

"Sprengfallen sind besonders perfide Vorrichtungen. Sie sind dazu bestimmt und gebaut, Menschen zu töten und schwer zu verletzen. Oft sehen die Sprengfallen harmlos und ungefährlich aus", sagt LKA-Pressesprecher David Fritsch. "Wenn Sie einen sprengstoffverdächtigen Gegenstand entdecken, raten wir als LKA BW eindringlich, diesen Gegenstand vor Ort zu belassen, nicht zu berühren und umgehend die Polizei über die Notfallnummer 110 zu verständigen", mahnt Fritsch.

Hintergrundinformation:

Dem Entschärferdienst des LKA BW obliegt die zentrale Bearbeitung und Untersuchung innerhalb der Polizei Baden-Württemberg, wenn beispielsweise unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen, Explosivstoffe, militärische Munition und manipulierte Pyrotechnik im Rahmen eines strafrechtlichen Ermittlungserfahrens als Beweismittel in Betracht kommen. Darüber hinaus ist der Entschärfungsdienst erster Ansprechpartner in der polizeilichen Bewältigung von chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Einsatzlagen. Er trifft in diesen Lagen alle notwendigen Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr und Strafverfolgung. Zudem kommt dem Entschärferdienst des LKA BW mit dem dort vorhandenen besonders aus- und fortgebildeten Personal sowie den zentral vorgehaltenen Führungs- und Einsatzmitteln eine zentrale Bedeutung zu. Dies gilt insbesondere für die Bewältigung lebensbedrohlicher Einsatzlagen und bei der Terrorismusbekämpfung. Durch die organisatorische Anbindung im Kriminaltechnischen Institut des LKA BW wird neben der operativen Ausrichtung auch eine enge Verzahnung mit der sichernden und auswertenden Kriminaltechnik erreicht. Operative Kompetenz und wissenschaftlich-analytische Qualität garantieren ein beweissicheres Strafverfahren.

Der beim Regierungspräsidium Stuttgart angebundene Kampfmittelbeseitigungsdienst - kurz: KMBD - entschärft und entsorgt Kampfmittel, Munition und Munitionsteile, sofern keine Zuständigkeit des polizeilichen Entschärfungsdienstes gegeben ist. In die Zuständigkeit des KMBD fallen insbesondere:

   -        Bodenfunde von Kampfmitteln, Munition oder 
            Munitionsteilen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg,
   -        Funde von Kampfmitteln, Munition oder Munitionsteilen in 
            Gewässern, beispielsweise Funde von sogenannten 
            Magnetanglern.

Rückfragen bitte an:

Landeskriminalamt Baden-Württemberg Leiter Pressestelle / Pressesprecher Kriminaloberrat David Fritsch E-Mail: pressestelle-lka@polizei.bwl.de Telefon: 0711 / 5401-2044

Original-Content von: Landeskriminalamt Baden-Württemberg, übermittelt durch news aktuell

Top Stories

bottom of page